Bildungswege
Für Kinder aus Mballam ist der Zugang zu Bildung mit vielen Hürden verbunden. Diese wirken gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig. Besonders schwierig sind die Übergänge von der Dorfschule in Mballam in die reguläre Schule in Njolépoum und später zu weiterführenden Schulen und Ausbildungen.
Drei Etappen der Bildungsbegleitung
Die Anforderungen verändern sich mit jedem Wechsel an einen neuen Schul- oder Ausbildungsort. Baka Libuna unterstützt deshalb an drei aufeinanderfolgenden Etappen.
1.
Grundbildung in Mballam
Die ersten schulischen Grundlagen erwerben die Kinder in der kleinen Dorfschule in Mballam. Sie arbeitet nach dem ORA-Ansatz (Observer – Réfléchir – Agir) und vermittelt Lesen, Schreiben, Rechnen und die Kinder werden schrittweise ins Französische eingeführt.
Baka Libuna unterstützt die Schule mit Material und Infrastruktur und arbeitet gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft und den Brüdern von La Salle daran, ihren Fortbestand zu sichern. Ziel ist, dass mehr Kinder eine Grundbildung erhalten und anschliessend in eine reguläre Schule wechseln können.
2.
Reguläre Schule in Njolépoum
Nach der Grundbildung wechseln die Kinder in die reguläre Schule im benachbarten Bantu-Dorf Njolépoum. Dort steigen die Anforderungen an die Familien: Schulbesuch verursacht zusätzliche Kosten, und die Kinder fehlen gleichzeitig bei Arbeiten im Haushalt und auf den Feldern.
Das Conditional-Cash-Transfer-Programm (CCT) unterstützt Familien, deren Kinder die Schule regelmässig besuchen. Ziel ist, dass mehr Kinder den Wechsel schaffen und ihre Schulbildung fortsetzen.
3.
Weiterführende Bildung und Ausbildung
Für weitere Schulstufen und Berufsausbildungen müssen Jugendliche Mballam verlassen und teilweise weit entfernt wohnen. Damit steigen Kosten, organisatorischer Aufwand und die Anforderungen an eine verlässliche Begleitung.
Baka Libuna unterstützt geeignete Ausbildungswege je nach Situation mit Unterkunft, Verpflegung, Ausbildungskosten und persönlicher Begleitung. Ziel ist, dass Jugendliche einen Abschluss erreichen, der ihnen zusätzliche berufliche Möglichkeiten eröffnet.
Warum der Weg durch Schule und Ausbildung schwierig bleibt
Die Hindernisse verändern sich mit dem Alter und der jeweiligen Bildungsstufe.
Sprachbarriere
Französisch ist für viele Kinder eine zusätzliche Hürde.
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Viele Kinder wachsen mit Baka als Erstsprache auf. Unterrichtet wird auf Französisch. Das erschwert besonders am Anfang das Verstehen und Lernen.
Kosten und Mitarbeit der Kinder
Schulbesuch belastet das knappe Familienbudget.
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Schulmaterial, Kleidung, Transport, Unterkunft und Verpflegung belasten Familien mit sehr geringen Einkommen.
Gleichzeitig tragen Kinder zum Alltag der Familie bei. Sie helfen im Haushalt, auf den Feldern und beim Sammeln. Manche arbeiten auch für benachbarte Bantu. Schulbesuch bedeutet deshalb für die Familie neben direkten Kosten auch den zeitweisen Ausfall ihrer Arbeitskraft.
Schulsystem und Lebensweise
Schule und Lebensweise passen oft schlecht zusammen.
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Das formale Schulsystem orientiert sich kaum an Sprache, Lebensweise und Wissen der Baka. Der Schulkalender kollidiert zudem mit saisonalen Aufenthalten der Familien im Wald.
Traditionelles Wissen über Wald, Jagd, Sammeln, Heilpflanzen und soziale Regeln wurde über Generationen innerhalb der Familien weitergegeben. Im formalen Unterricht hat dieses Wissen wenig Platz. Schule eröffnet neue Möglichkeiten, tritt aber teilweise auch in Konkurrenz zu dieser Form der Wissensweitergabe.
Infrastruktur
Der Unterricht findet unter einfachen und unsicheren Bedingungen statt.
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Die Bedingungen für den Unterricht sind einfach. Es fehlt an Schulmaterial, geeigneter Infrastruktur und verlässlich verfügbaren Lehrpersonen.
Gerade kleine Schulen in abgelegenen Baka-Dörfern sind zudem finanziell wenig abgesichert. In Mballam war der Fortbestand der Dorfschule zeitweise gefährdet.
Wenig Schulerfahrung der Eltern
Viele Eltern kennen Schule kaum aus eigener Erfahrung.
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Viele Eltern haben selbst keine oder nur wenig Schule besucht. Sie können ihre Kinder deshalb beim Lernen nur begrenzt unterstützen und kennen das Schulsystem oft wenig.
Gleichzeitig konkurriert der Schulbesuch mit anderen Anforderungen des Familienalltags.
Diskriminierung und Sicherheit
Diskriminierung erschwert den Schulbesuch zusätzlich.
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Baka-Kinder erleben ausserhalb ihrer Gemeinschaft Vorurteile und Herabsetzung. In gemischten Schulen kann Diskriminierung sowohl von anderen Schülerinnen und Schülern als auch von Erwachsenen ausgehen.
Für Mädchen kommen zusätzliche Risiken hinzu. Längere Schulwege und das Wohnen ausserhalb der Familie erhöhen das Risiko sexueller Belästigung und früher Schwangerschaften, die zum Abbruch der Schulbildung führen können.
Entfernung
Mit jeder Bildungsstufe wird der Weg zur Schule weiter.
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Für jüngere Kinder ist die Dorfschule in Mballam die einzige realistisch erreichbare Schule. Wer danach weitermacht, muss in die reguläre Schule im benachbarten Bantu-Dorf Njolépoum wechseln.
Mit jeder weiteren Bildungsstufe werden die Entfernungen grösser. Für weiterführende Schulen und Berufsausbildungen müssen Jugendliche Mballam verlassen und teilweise weit entfernt wohnen.
Folge
Viele Kinder setzen ihre Schulbildung nicht fort. Nur wenige gelangen bis zu einer weiterführenden Ausbildung.
Dennoch ist Schulbildung für die Kinder der Baka aus mehreren Gründen wichtig:
Im Alltag selbständiger handeln
Lesen, Schreiben und Rechnen helfen, Preise, Mengen, Geld und Dokumente zu verstehen. Das erleichtert viele Entscheidungen im Alltag und vermindert die Gefahr, bei Geschäften und Abmachungen übervorteilt zu werden.
Mehr Möglichkeiten für Ausbildung und Beruf
Schulbildung eröffnet den Zugang zu weiteren Schulen, Berufsausbildungen und Tätigkeiten, die ohne entsprechende Kenntnisse verschlossen bleiben. Damit wächst die Auswahl an Möglichkeiten, später den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.
Eigene Interessen und Rechte vertreten
Französisch, Lesen und Schreiben erleichtern den Umgang mit Schulen, Behörden und anderen Institutionen. Wer Dokumente versteht und sich schriftlich ausdrücken kann, kann eigene Anliegen und Rechte besser vertreten.
Kultur verstehen und bewahren
Bildung kann helfen, die eigene Sprache, Geschichte und Lebensweise bewusster wahrzunehmen, zu dokumentieren und gegenüber anderen zu vertreten. Gleichzeitig darf formale Bildung die traditionelle Wissensweitergabe nicht einfach verdrängen.
